Gymnasium CHRISTIANEUM

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Buchkunde

 

Die Buchkunde befasst sich als Teil der Buchwissenschaften mit der Herstellung und Gestaltung von Büchern sowie deren Geschichte; Spezialbereiche sind die Einbandkunde und die Kodikologie, die Handschriftenkunde.

 

Siehe auch:

Die alten Stempel des Christianeums

Das älteste Exlibris der Bibliothek

Flickwerk

 



Foto: © Folke Gernert, Kiel (mit freundlicher Genehmigung)






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Buch: Block und Einband


Ein Buch besteht seit altersher aus dem Buchblock, den gehefteten Lagen bedruckter oder beschriebener Blätter, und einer Buchdecke, dem Einband, der das Schrifttum schützen soll.  Zur Zeit des frühen Buchdrucks wurde der Buchblock in der Regel ohne den Einband verkauft, den der Besitzer sich vom Buchbinder nach seinem Geschmack und Geldbeutel anfertigen ließ. einband.gold.19.jh




Foto : Michael Jungierek, Hamburg (Quelle + Lizenez)



 
 Einbände aus Leder, oft mit einer Prägung versehen, waren die teuersten. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurde oft am Rückdeckel eine Kette angebracht, mit der die Bände in einer Bibliothek am Lesepult angeschlossen wurden, zum einen, damit sie nicht verlegt werden konnten, und zum anderen, um die in der Regel in lederbezogene Holzdeckel eingebundenen schweren Folianten vor dem Herabfallen zu bewahren.

Einbände mit Goldprägung wurden bis ins 19. Jahrhundert geschätzt für Prachtausgaben, so wie zum Beispiel für eine Sonderausgabe des Reineke Fuchs von Johann Wolfgang von Goethe von 1846 mit großen eingebundenen Kupferstichen von Wilhelm von Kaulbach (1804 -1874).

Felicitas Noeske








Buchschnitt


Als Schnitt bezeichnet man die drei Seiten des Buchblocks, die beim geschlossenen Buch sichtbar sind. Man unterscheidet dabei den Kopfschnitt (oben, der am ehesten verstaubt), den Vorderschnitt und den Unterschnitt (oder: Queue), auf dem das Buch im Regal steht.

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In früheren Jahrhunderten war der Buchschnitt nicht selten verziert, wie zum Beispiel durch Prägung oder durch Auflagen von Gold (Goldschnitt).

In der Zeit des frühen Buchdrucks wurden die Bücher in der Regel, wie zuvor auch die gebundenen Handschriften, liegend aufbewahrt, mit dem Buchrücken nach hinten. Zur Identifizierung des Werks malte man oft den Titel auf den Vorderschnitt, gelegentlich auch mit kleinen farbigen Mustern verziert. Bei den Inkunabeln in der Bibliothek des Christianeums finden sich Exemplare mit auf den Vorderschnitt aufgemalten Titeln.


Felicitas Noeske






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Inkunabel

 

Als Inkunabel (von lat. incunabula: Windeln; deutsch: Wiegendruck) bezeichnet die Buchwissenschaft in einer konventionellen Übereinkunft die gedruckten Schriften, die bis zum 31. Dezember 1500 datiert sind. Nach diesem Datum bis etwa 1510/1520 produzierte Druckwerke werden als Postinkunabeln bezeichnet.

Das Christianeum hält eine umfangreiche Sammlung von Inkunabeln in seinem Bestand. Ein Verzeichnis aller Drucks aus dem 15. Jahrhundert in der Bibliothek des Christianeums im Schulprogramm von 1897, erstellt von Dr. Johannes Claußen (von 1874 bis 1910 Professor und ab 1893 auch Bibliothekar am Christianeum) nennt 64 Inkunabeln. Davon sind heute 40 als gesichert im Gesamtkatalog der Wiegendrucke (Staatsbibliothek zu Berlin) erfasst und können dort online abgerufen werden (Allgemeine Recherche: Hamburg GyChristian). Die weitaus meisten stammten aus der Schenkung des Johann Peter Kohl (1698-1778), die als Donum Kohlianum 1768 dem Altonaer Gymnasium academicum übereignet wurde, sowie insbesondere aus der riesigen Bibliothek von Johann Adrian Bolten (1742-1807), dessen Inkunabelsammlung von insgesamt 30 Bänden mit über 40 Drucken das Christianeum 1808 in einer Auktion erwarb.Bucheinband.15.Jh.Koperte


Im Zuge der Übergabe von geschätzten 10.000 Bänden aus der Christianeumsbibliothek an die Hamburger Staatsbibliothek unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden auch Inkunabeln abgegeben; diese galten anschließend im Christianeum für Jahrzehnte als verschollen. 2005 konnten sie in Zusammenarbeit mit der Staats- und Universitätsbibliothek alle dort aufgefunden werden – es fehlte kein einziges Stück. Die Bibliothek des Christianeums hält heute insgesamt 52 als Inkunabeln verzeichnete Drucke (darunter auch einige Postinkunabeln); die bis dahin im Christianeum vermissten 12 Drucke befinden sich heute in der SUB Hamburg und bekamen 2005 in deren digitalem Katalog den Hinweis auf ihre Provenienz.



Felicitas Noeske

Schlagwort: Inkunabel

Liste der Inkunabeln des Christianeums





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Zweckentfremdung

 

 

Das teure Pergament wurde mit dem Siegeszug des Papiers im 14. Jahrhundert nicht mehr im Buchdruck verwendet; mittelalterliche Gebrauchshandschriften wurden aber nicht weggeworfen, sondern fanden als wertvolles Material auch weiterhin Verwendung, vor allem in der Buchherstellung und Pflege.

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So wurden Handschriftenfragmente als Flicken und, gelegentlich gestopft mit Nadel und Faden, als Einbandspiegel benutzt. Auch zum Einhängen des Buchblocks in einen Einband waren den Buchbindern die beschriebenen Pergamentfragmente wegen ihrer Haltbarkeit und Geschmeidigkeit willkommen und wurden zuweilen in Zahlung genommen.

Nachdem der Notendruck die großen, handgemalten Chorbücher überflüssig gemacht hatte, wurden diese nicht selten als schöne Bucheinbände geschätzt.

Neben Pergamentresten wurden weiterhin auch die Blätter gedruckter Bücher gelegentlich benutzt, um Bucheinbände  und -rücken von innen zu verstärken.

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Mittelalterliches Chorbuchblatt, im 17. Jahrhundert zweckentfremdet als Einband der Handschrift von Friederich Martens' Hispanische Reise-Beschreibung De Anno 1671. Der Einband aus Pergament, versehen mit Buchmalereien und Blattgoldauflage, war von innen verstärkt worden durch alte Seiten aus einem gedruckten Buch von 1554.


Felicitas Noeske


Aus der Bibliothek: Pergamentmakulatur


 

                                 

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Tintenfraß

Die beiden Löcher auf dem Titelblatt des Drucks von 1539 aus der Bibliothek des Christianeums sind nicht "durchgebrannt", sondern das Ergebnis von Tintenfraß. Ursächlich dafür ist die seit alters her gebräuchliche und seit der Frühen Neuzeit bis ins 18. Jahrhundert verstärkt benutzte Eisengallustinte, deren Bestandteil an Eisensulfat in Verbindung mit der Luft Schwefelsäure erzeugt: die Tinte "rostet" und greift dadurch die Papierfasern an, die - wie hier zu sehen - im schlimmsten Fall dann irgendwann einfach wegbröckeln. Typisch für den Tintenfraß sind auch die braunen "Höfe", die sich um das rechte Loch im Faserverbund des Papiers gebildet haben. Beim genauen Hinsehen erkennt man die Reste von geschnörkelten Federzügen, mit denen ein Vorbesitzer neben dem gedruckten Titeltext zwei nunmehr verschwundene handschriftliche Einträge hinterließ.

Die Schäden sind zwar irreversibel, lassen sich aber in diesem Fall durch den Restaurator begrenzen. Andere, weitaus schlimmere Ergebnisse des Tintenfraßes, vor allem bei Textverlusten in Handschriften,  kann man zum Beispiel dort anschauen.

Felicitas Noeske

Foto: Klaus Ropelius