Gymnasium CHRISTIANEUM

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Buchkunde - Tintenfraß

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Tintenfraß
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Tintenfraß.M 203-17-01 2 428x640

 

 

 

 

Tintenfraß

Die beiden Löcher auf dem Titelblatt des Drucks von 1539 aus der Bibliothek des Christianeums sind nicht "durchgebrannt", sondern das Ergebnis von Tintenfraß. Ursächlich dafür ist die seit alters her gebräuchliche und seit der Frühen Neuzeit bis ins 18. Jahrhundert verstärkt benutzte Eisengallustinte, deren Bestandteil an Eisensulfat in Verbindung mit der Luft Schwefelsäure erzeugt: die Tinte "rostet" und greift dadurch die Papierfasern an, die - wie hier zu sehen - im schlimmsten Fall dann irgendwann einfach wegbröckeln. Typisch für den Tintenfraß sind auch die braunen "Höfe", die sich um das rechte Loch im Faserverbund des Papiers gebildet haben. Beim genauen Hinsehen erkennt man die Reste von geschnörkelten Federzügen, mit denen ein Vorbesitzer neben dem gedruckten Titeltext zwei nunmehr verschwundene handschriftliche Einträge hinterließ.

Die Schäden sind zwar irreversibel, lassen sich aber in diesem Fall durch den Restaurator begrenzen. Andere, weitaus schlimmere Ergebnisse des Tintenfraßes, vor allem bei Textverlusten in Handschriften,  kann man zum Beispiel dort anschauen.

Felicitas Noeske

Foto: Klaus Ropelius