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Scrinia selecta - Inkunabelsammlung Johann Adrian Bolten (1742-1807)

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Scrinia selecta
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Inkunabelsammlung Johann Adrian Bolten (1742-1807)
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Die Inkunabelsammlung des Johann Adrian Bolten

 

Der Altonaer Pastor Johann Adrian Bolten (1742-1807) besaß eine große Bibliothek, aus der das Christianeum 1808, ein Jahr nach Boltens Tod, auf einer Auktion die umfangreiche Sammlung von 41 Inkunabeln - das sind bis einschließlich des Jahres 1500 erschienene gedruckte Schriften, auch „Wiegendrucke“ genannt – erwarb.

Die Inkunabeln dokumentieren durch ihren Sammler ein Stück Altonaer Geschichte und verdeutlichen zugleich die besondere Rolle der Christianeumsbibliothek für die Stadt im 18. und frühen 19. Jahrhundert. Sie wurden in der Christianeumsbibliothek 1850ff. im Bandkatalog D auf den Seiten 13, 43 und 44 erfasst. Bis auf 3 Wiegendrucke, die unmittelbar nach Ende des zweiten Weltkriegs in die Staatsbibliothek Hamburg gelangten (wo sie sich heute noch befinden), hält die Christianeumsbibliothek die übrigen 37 Drucke (darunter auch 4 sog. Postinkunabeln, gedruckt zwischen 1504 und 1510) in 29 Bänden. Diese Bände haben durchweg bis auf wenige Ausnahmen noch ihre originalen Buchdecken des 15. und frühen 16. Jahrhunderts.DSC09589_3_480x640

Die einzelnen Exemplare sind nach vielfacher Bewegung durch mehrfache Umzüge der Bibliothek und Kriegsauslagerungen mitgenommen; nicht wenige zeigen deutliche Spuren mechanischer Beanspruchung, vor allem ihrer Einbände. Einige wertvolle Exemplare können aufgrund des Zustands ihrer Buchdecken nur noch unter weiteren Verlusten bewegt und deshalb auch nicht mehr angemessen gepflegt werden.

Eine Inkunabel, bislang unbekannten Druckers, Orts und Datums, aus der Sammlung Bolten wurde im Dezember 2011 lokalisiert:  Praeceptorium divinae legis des Johannes Nider.

Felicitas Noeske  

(Foto: ©Klaus Ropelius)

 

Mehr über Johann Adrian Bolten

 

 

 

Aus Boltens Inkunabelsammlung

 

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Gabriel Biel: Sacri canonis missae expositio. Hrsg. Wendelin Steinbach. Mit Beig. von Heinrich Bebel. Tübingen: [Johann Otmar für] Friedrich Meynberger, 29.XI.1499. 2°

Reproduktionen: Guadalajara BP (Digitalisat). München SB (Digitalisat).

Gabriel Biel aus Speyer (um 1415-1495) war ein scholastischer Philosoph und Gründungsmitglied der Universität in Tübingen. Sein Werk zeigt ihn als Denker eines Übergangs von spätem Mittelalter zur frühen Neuzeit. Er entwickelte Ideen zu einer Systematik von Recht und Wirtschaft, sah indes theologisch weiterhin die höchste Autorität im Papsttum. Seine Werke wurden auf dem Trienter Konziel ebenso wahrgenommen wie von Luther und Melanchthon, auf die sie nicht ohne Einfluss waren. In seiner Sacri canonis missae expositio, seinem ersten Werk, behandelt er den Kanon der heiligen Messe.

Der Lederrücken des Kettenbuchs im Folioformat ist vollständig vom Buchblock gelöst und nur noch in Fragmenten vorhanden. Die Bindung des Buchblocks zeigt dementsprechende Instabilität, die Bünde halten indes noch die beiden Holzdeckel. Der Ledereinband mit Prägung ist an Vorder- und Rückdeckel abgerissen und zum Teil ausgefranst; das Leder ist brüchig und an den Rändern in Zerfall. Die Kette ist vollständig erhalten, Vorder- und Rückdeckel haben noch die metallenen Reste der nicht mehr vorhandenen Buchschließen. Der Druck auf Hadernpapier ist in sehr gutem Zustand, das Papier ist nach wie vor fest und weist keine nennenswerten mechanischen Schäden auf; es ist lediglich, vor allem auf dem Buchschnitt, stark verstaubt.

Felicitas Noeske     (Fotos: © Klaus Ropelius)

Eine Auswahl weiterer  Inkunabeln aus der Sammlung von Johann Adrian Bolten:
TEIL 1 | TEIL 2
(Fotos: © Klaus Ropelius)