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Scrinia selecta - Dante: Comedia

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Dante Alighieri:

Comedia (Codex Altonensis)

Der Codex Altonensis beinhaltet die Comedia (später betitelt als Divina Commedia, Göttliche Komödie) des Dante Alighieri (1265 - 1321). Die Handschrift in italienischer Sprache wurde ab ca. 1360 in Norditalien, wahrscheinlich in einem Skriptorium in Bologna, erstellt und mit prachtvoller Malerei ausgestattet; das Datum ihrer Fertigstellung ist ebenso unbekannt wie ihre Provenienz bis zu ihrem Vorbesitzer im 18. Jahrhundert.

Die Comedia, gefasst in Terzinen - einem dreiteiligen Versschema -, erzählt die Geschichte zweier Reisender, des antiken Dichters Vergil und des Ich-Erzählers Dante, die zunächst in die Hölle (Inferno) hinabsteigen, wo die verdammten Seelen hausen müssen. Die Reisenden erklimmen anschließend den Läuterungsberg (Purgatorio), auf dem die aus dem Inferno entlassenen Seelen büßen dürfen, um ins Paradies (Paradiso) gelangen zu können, das Dante, geführt von der reizenden Beatrice, im dritten Teil der Tour besichtigt. Mit der Ansicht des dreieinigen Gottes endet die Vision und die Erzählung. Dantes Comedia, ein Kosmos an Figuren und Gestalten aus Wirklichkeit und Mythologie, erhob im lateinischen Mittelalter das Italienische zur Literatursprache und gehört zur Nationalliteratur Italiens. Sie inspirierte bis auf den heutigen Tag Dichter, Denker und Künstler und wurde in alle Weltsprachen übersetzt.

Dante_f48vDer erste Teil des Codex Altonensis, das Inferno, ist durchgehend von einer vermutlich einzigen Künstlerhand illustriert mit einer farbigen und zum Teil auch raffiniert lasierend aufgetragenen Deckfarbenmalerei; eine Parallelhandschrift mit Malereien derselben Hand befindet sich in der Bibliothek von Chantilly in Frankreich. Das Purgatorio wurde von verschiedenen Künstlern dekoriert und zeigt unterschiedliche Konzepte. Der letzte Teil, das Paradiso, enthält nur Vorzeichnungen, die nie malerisch ausgeführt wurden. Das Ende des vollständigen Textes blieb ganz ohne Illustrationen, womöglich bedingt durch einen in die Entstehungszeit zu datierenden Brand- und Wasserschaden, der zeitgenössisch zwar liebevoll repariert wurde, aber womöglich den Abnehmer dermaleinst verscheuchte.

Die Handschrift gelangte zusammen mit Boccaccios Il Filostrato, dem Codex Christianei, 1768 mit dem Donum Kohlianum, der Schenkung des Johann Peter Kohl (1698-1778), ins Christianeum und gehört seither zum Bestand der Bibliothek.

Felicitas Noeske

Fotos: Michail Jungierek, Hamburg (Quelle)