Gymnasium CHRISTIANEUM

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Bibliothek Bestandsgeschichte

Bestandsgeschichte der Lehrerbibliothek - 60 Jahre verschwunden

Beitragsseiten
Bestandsgeschichte der Lehrerbibliothek
60 Jahre verschwunden
Die alten Stempel der Bibliothek
Alle Seiten

 

 

Bibliothek des Christianeums

 

 

60 Jahre verschwunden

Die Übernahme einer großen Anzahl von Bänden nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Hamburger Staatsbibliothek geschah ohne Liste und wurde, einem im Archiv des Christianeums verwahrten handschriftlichen Bericht zufolge, 1946/47 durch regelmäßige Abholungen bewerkstelligt. Die Bitten seitens des Direktors Dr. Gustav Lange (1898-1964, Direktor ab 1946), wenigstens die eigens dem Christianeum vermachten Buchsammlungen zurückzubekommen, wurden 1949 seitens der Direktion der Staatsbibliothek abgelehnt. Gemeint war offenbar in erster Linie das „Donum Kohlianum“, eine wertvolle Schenkung im 18. Jahrhundert, der die Aufforderung beigegeben gewesen war, sie am Christianeum gesondert aufzubewahren; die Signaturen zeigen, dass die Anstalt dieser Bitte entsprochen hatte. Der Bitte Dr. Langes wurde nicht entsprochen. 1955  erging unter dem Betreff "Bereinigung der Bibliotheken"  die Anweisung der Schulbehörde ans Christianeum, sich - so die Formulierung in der archivierten Korrespondenz - "von dem Ballast“ seiner Bestände  zu „befreien“. Eine mit Nachdruck eingeforderte Abgabeliste ist in Kopie erhalten; die gegenseitigen Ressentiments der Bibliotheken waren für gut ein halbes Jahrhundert besiegelt.

Die Bände blieben verschwunden, im Katalog der Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky (SUB) fanden sich keine Hinweise. Im Zuge der Digitalisierung dieses Katalogs konnten im Jahr 2005 in Zusammenarbeit des Christianeums mit der SUB die Sammlung der Inkunabeln aus dem Christianeum und  das Donum Kohlianum rekonstruiert werden; im Campus-Katalog der SUB sind die dort lagernden Bestände der Sammlung Kohl unter dem Schlagwort „provenienz kohl“ abrufbar, angezeigt werden 832 Titel; das Christianeum hält noch ca. 70 Bände dieser exquisiten Privatbibliothek des 18. Jahrhunderts.

Infolge wurden auch die übrigen aus dem Christianeum stammenden Bestände bis 1800 von der Staatsbibliothek in ihrem Katalog mit Provenienhinweis versehen. Die aus dem Christianeum stammenden Bestände des 19. Jahrhunderts werden unterdessen zunehmend ebenfalls erfasst, darunter wertvolle Gesamtausgaben und Exemplare mit handschriftlichen Widmungen ans Christianeum. Angezeigt werden im Campus-Katalog bei der Schlagwortsuche „provenienz christianeum“ bislang 6474 Titel, darunter zwölf Wiegendrucke aus dem 15. Jahrhundert.

Die genaue Zahl der 1946/47 abgegebenen Bücher ist bislang unbekannt; die Beschreibung der Christianeumsbestände in der SUB liegt noch nicht vor. Eine Schätzung nach der Digitalisierung des seit 1972 erstellten Zettelkatalogs der Christianeumsbibliothek, der die mehrbändigen Ausgaben uneinheitlich erfasst hatte, ergab 2008 ca. 20-22 000 Bände historischen Altbestands im Christianeum; die in den älteren Darstellungen verschiedentlich genannte Zahl von 10 000 abgegebenen Bänden, eines Drittels des 1938 mit "ca. 30.000"  verbuchten Bestandes, scheint realistisch. Der Vermerk in einem Eingangsbuch der 1950er Jahre weist darauf hin, dass etwa 900 Bände zurückgegeben worden seien; welche, ist indes nicht feststellbar. Hin und wieder kommt eine Dublette zurück, die die Christianeumsbibliothek auch bereits doppelt hat.

Felicitas Noeske

(2012)

Foto: Klaus Graf (Quelle + Lizenz)