Werkstattunterricht am Beispiel "Kreatives Schreiben"
seit dem Schuljahr 2008/09 wird Kreatives Schreiben ("KreSch") unter anderem als Werkstattunterricht in den 7. Klassen unterrichtet (dazu gibt es verschiedene stufenübergreifende Arbeitsgemeinschaften). Werkstatt und KreSch passen gut zusammen, weil hinter beiden die gleichen Intentionen stecken, nämlich die zunehmende Schülerorientierung der Lernprozesse. Ursprünglich kommt die Idee des Werkstattunterichts aus der Reformschulpädagogik (Freinet). In den letzten Jahren spielte sie in den Grundschulen eine große Rolle, von dort und den pädagogischen Fachhochschulen oder Instituten fand das Werkstattkonzept seinen Weg in die allgemeinen pädagogischen Fortbildungen.
Der erweiterten Schulleitung des Christianeums stellte z. B. der Leiter der Gesamtschule Winterhude Martin Heusler die Angebote der Binnendifferenzierung und des Werkstattunterrichts an seiner Schule vor. Dahinter steht eine Sichtweise, die das Lernen im Wesentlichen als eine selbstgesteuerte innere Tätigkeit sieht. Maria Montessori formulierte diesen Kerngedanken vor Jahren: "Hilf mir, es allein zu tun!"
Noch weiter gehen die Bemühungen von Sabine Schiller, die als Fortbildnerin am Christianeum ihr Konzept des individualisierten Unterrichts gegen "Langeweile, Unterforderung, So-tun-als-ob, Angst und Demütigungen" in mehreren Veranstaltungen vorstellte.
Unter diesen Gesichtspunkten ist es problematisch, den Schülern einfach etwas beibringen zu wollen. Auch wenn ich gleiche Lernziele für alle formuliere und plane, werden Schüler individuelle Lernwege beschreiten und auch ihre Lernergebnisse werden voneinander verschieden sein: "Wir wollen nicht die Forderung aufstellen, der Unterricht müsse so gestaltet werde, das alle Schülerinnen und Schüler das gesetzte Lernziel erreichen; wir wollen Situationen schaffen, die vielfältige Lernmöglichkeiten eröffnen und so den Lernenden dazu verhelfen, ihren eigenen Weg zu gehen." (Kaspar Spinner).
Unterrichtsmethodisch setzt hier der Werkstattunterricht an. Jürgen Reichen erklärt in metaphorisch: "In einer Werkstatt wird gearbeitet, nicht alle Mitarbeiter machen das Gleiche, hier ist ein Handwerker allein, dort sind drei zusammen an der Arbeit, nicht überall arbeitet der Meister mit."
Aus diesem Bild wird noch einmal deutlich, dass der Werkstattunterricht nach Zeitdauer, Inhalt und Form recht variabel sein kann, aber auch dass diese Unterrichtsform nicht in die Vereinzelung führt, sondern dass das Voneinanderlernen und das Miteinander fundamental zum Werkstattunterricht gehören. Werkstattunterricht wird gerne in der Form eines Dreiecks dargestellt: Individualisierung und Lernen in der Gruppe, also Gemeinschaftbildung, sind die zwei grundlegenden Seiten des Werkstattunterrichts. Als dritte kommt hinzu ein breit gefächertes Lernangebot, also Arrangements von Lernsituationen, Materialien und Texten, die die Initiative und Phantasie der Schüler herausfordern und ihnen Wahlmöglichkeiten lassen.
Die Lehrer werden folglich zu Begleitern des Lernprozesses, bei KreSch haben sie anregungsreiche Aufgabenstellungen und Materialien bereitzustellen und für die Schreibberatung zur Verfügung zu stehen.
Eine attraktive Möglichkeit für KreSch, wie auch für andere Werkstätten, sind die verschiedenen Wettbewerbe, die von Verlagen und anderen Institutionen ausgeschrieben werden. Jüngstes Beispiel für eine erfolgreiche Teilnahme aus dem Werkstattunterricht heraus sind die guten Plazierungen unserer Schülerinnen und Schüler bei "Jugend debattiert", einem Werkstattangebot der 8. Klassen.
Einrichtung von Lernwerkstätten
Im neuen Schuljahr 2010/11 wird es neben dem bewährten Werkstattunterricht in den Klassenstufen 7 und 8 und den Angeboten an Arbeitsgemeinschaften neu eingerichtete Übungsgruppen geben. Sie sollen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit bieten, Hausaufgaben in der Schule zu erledigen, fachliche Probleme mit erfahrenen Pädagogen aufzuarbeiten und eigenständige Fach- oder Semesterarbeiten und Referate zu erstellen.
- In den 5. Klassen wird jeweils eine Übungsgruppe am Dienstag und am Donnerstag in der 7. und 8. Stunde angeboten, geleitet von zwei Klassenlehrerinnen des Jahrgangs.
- Für die 6. und 7. Klassen sind am Mittwochnachmittag (ebenfalls 7./8. Stunde) Übungsgruppen mit den Schwerpunkten Deutsch, Englisch, Mathematik und Latein eingerichtet. Die Leitung dieser Gruppen liegt durchweg bei Fachlehrerinnen und -lehrern dieser Jahrgänge.
- Für die Klassenstufen 8 bis 10 werden ebenfalls mittwochs vier Übungsgruppen angeboten mit den Schwerpunkten Deutsch, Englisch, Mathematik und Latein. Auch hier sind Lehrkräfte des Jahrgangs eingesetzt.



Fördern und Fordern

